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Prof. Dr. Volker Schirrmacher: Die Bedeutung der Tumorstammzellen und ihre therapeutische Konsequenz

Wissenschaftliches Programm - Wissenschaftlich begründete Komplementäronkologie

9:30-10:00 Uhr

Neue Befunde der Zellbiologischen Grundlagenforschung haben aufgezeigt, dass Stammzellen eine kritische Bedeutung nicht nur für die Entwicklung mehrzelliger Organismen haben, sondern auch für die Entwicklung von Tumoren. Stammzellen haben die Fähigkeit zur Selbsterneuerung, d. h. dass bei einer Zellteilung eine der Tochterzellen die Eigenschaft der Mutterzelle behält. Desweiteren haben Stammzellen die Fähigkeit, sich in mehrere verschiedene Richtungen zu differenzieren, sie sind pluripotent und sie besitzen ein extensives Proliferationspotential. Bei verschiedenen Blutkrebsarten (Leukämien) wurde entdeckt, dass wenige Krebszellen – die sog. Krebsstammzellen – für das Wachstum verantwortlich sind. Auch bei soliden Tumoren gibt es Hinweise für die Existenz von Tumorstammzellen. Derartige Zellen können beispielsweise das kleine Reservoir Chemotherapie-resistenter Zellen ausmachen oder sie können Ursprung von Metastasen sein. Tumorstammzellen weisen häufig gut funktionierende Entgiftungssysteme für Zytostatika auf und sind in der Lage, bei Bedarf im Gewebe in eine Art "Schlafzustand"(tumor dormancy) zu verfallen. Neueste Untersuchungen zeigen, dass „Schlüsselreize“ wie Sauerstoffmangel, Mangel an Nährstoffen oder Entzündungsvorgänge nicht nur an der Regulation normaler Stammzellen, sondern auch bei der Aktivierung von Tumorstammzellen entscheidend beteiligt sein können. Zielgerichtete Therapien gegen Tumorstammzellen gibt es noch nicht, aber es wird intensiv in dieser Richtung geforscht. An Tiertumor-Modellen wurden bereits einzelne Gene identifiziert, wie z. B. Brat oder Tlx, deren Ausfall oder deren Überproduktion zur Ausbildung von Hirntumoren führt. Nach Möglichkeit sollte eine zielgerichtete Therapie zwar Tumorstammzellen, nicht aber normale Stammzellen zerstören.


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