Ausdruckstherapien

Die Kunst- und Ausdruckstherapie ist eine Therapieform, die alle künstlerischen Möglichkeiten wie Tanz, Theater, Musik, Poesie und bildnerisches Gestalten in ihr Konzept einbezieht. Der kreative Ausdruck eröffnet einen direkten Zugang zum eigenen Innern: Neue Perspektiven und Möglichkeiten werden sicht- und fühlbar. Hinzu kommt die sprachliche Verarbeitung durch den Therapeuten.

In der anthroposophischen Medizin gehört die Kunsttherapie seit langem zum unterstützenden Therapiekonzept gegen Krebs. Auch in der Schulmedizin werden künstlerische Übungen eingesetzt und in einigen Krebsnachbehandlungskliniken wird inzwischen die Maltherapie angeboten.

  • In der Maltherapie wird die Gestaltung mit Farben als Ausfluss der Seele interpretiert. Der Umgang mit Farben wird dem Umgang mit Gefühlen gleichgesetzt und es gilt - gerade auch bei Krebs -, den Gefühlsbereich in das Heilungsgeschehen mit einzubeziehen. Maltherapie bei Krebs ist auf Ausdruck ausgerichtet, was die Interpretation des Gemalten umfassen kann. Es geht dabei nicht um das Schaffen von Werken, sondern um die Wahrnehmung und den Ausdruck von inneren Gefühlen und um die Erfahrung kreativer Fähigkeiten.
  • Beim therapeutischen Plastizieren wird der Patient mit irdischen Materialien in Berührung gebracht, es entstehen dreidimensionale Bilder, die aus jeder Richtung betrachtet werden können. Für viele Patienten ist diese Art kreativen Tuns sehr beeindruckend, wenn sie ein eigenes Werk in der Hand halten. Eine besondere Form ist dabei die Arbeit mit Ton, wobei es nicht auf künstlerische und kontrollierte Gestaltung ankommt, sondern der Patient vielmehr dazu aufgefordert wird, mit geschlossenen Augen zu formen. Dabei bleibt es dem Tastsinn und den Bewegungen der Hände überlassen, welche Gestalt der Ton annimmt. Durch den Umgang mit weichem, formbarem Material kann besser verstanden werden, was der Krebs auf der körperlichen Ebene ausdrücken möchte.
  • Die Musiktherapie wirkt harmonisierend auf Herz, Atmung und Muskeln. Sie wird bereits in vielen Kliniken eingesetzt und ist vor allem in der Behandlung von chronischen Schmerzen eine anerkannte Therapieform. Dabei wird sowohl aktives Musizieren als auch das Hören von Musik eingesetzt. An das Hören schließen sich oft Gespräche an, gefolgt von eigenem Musizieren. Künstlerische Aspekte spielen dabei keine Rolle, sondern ausschließlich die Möglichkeiten, das Innenleben musikalisch auszudrücken.
  • Auch in der Tanztherapie ist nur der körperliche Ausdruck bezweckt. Es wird dabei die durch Musik in Gang gesetzte Bewegung als Medium genutzt, wobei diese Bewegungen minimal sein können. Eine wesentliche Aufgabe der Tanztherapie ist es, den Patienten darin zu unterstützen, körperliche und seelische Bedürfnisse wahrzunehmen, zu unterscheiden und zu prüfen. Rhythmus und Melodie lösen Gefühle und Stimmungen aus, die im Tanz sichtbar gemacht und anschließend in der Gruppe besprochen werden. Entsprechende Übungen (z. B. tänzerische Darstellung der aufgehenden Sonne oder eines fliegenden Vogels) sollen dem Patienten ein positives Körpergefühl, Kraft und Selbstvertrauen vermitteln.
  • Bei der Poesie- und Bibliotherapie wird die Kraft des Wortes genutzt. Lesen oder Verfassen von Texten, Vorlesen oder Sprechen über das Gelesene und Schreiben können zwar nicht die Krankheit beheben, aber es erleichtern, die Krankheit zu ertragen. Es gibt dabei verschiedene Schulrichtungen, aber man kann auch alleine ohne ausgebildeten Therapeuten Texte verfassen oder sich mit Texten bekannter Autoren auseinandersetzen. Der Arzt Ebo Rau hat beispielsweise seine Erfahrungen mit der Krankheit in einem Tagebuch niedergeschrieben.

 



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