Spenden und unterstützen Sie die GfBK
| Selen bei Bestrahlungen |
|
Ich werde wegen eines Enddarmkrebses lokal bestrahlt. Meiner Meinung nach enthält Ihre Broschüre „Nebenwirkungen aggressiver Therapien lindern” einen Fehler. Selen darf nach der Meinung meines Strahlentherapeuten auf keinen Fall bei oder nach einer Strahlenbehandlung aufgenommen werden. Ein Spezialvortrag über Strahlentherapie auf dem Berliner Krebskongress hat mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass Selen eine Strahlentherapie behindern kann. Es würde nicht nur die gesunden Zellen schützen, sondern auch die Tumorzellen. Wieso empfehlen Sie dennoch die Gabe von Selen ? Die Gabe von Selen während der Strahlentherapie ist insofern sinnvoll, als das vierwertige Selen (Se4+) als Radikalfänger im Wesentlichen die gesunden Zellen vor Schädigung schützt: Die während einer Strahlentherapie entstehenden freien Radikale greifen sowohl die Tumorzellen als auch die umliegenden gesunden Zellen an. Während die Tumorzellen aufgrund der Strahlen-Fokussierung auf das befallene Gewebe vollständig zugrunde gehen, werden die Normalzellen je nach Abstand zum Bestrahlungsfeld mehr oder weniger geschädigt. Bei jeder Zellschädigung entstehen jedoch freie Radikale, die sich über das Plasma im Körper verteilen und so sekundär weitere gesunde Zellen angreifen. Das systemisch verabreichte vierwertige Selen (Se4+) fängt die Radikale im Extrazellulärraum ab und schützt so vor sekundärer Zerstörung gesunder Zellen. Wir geben zu bedenken, dass es keinerlei Literaturhinweise gibt, die den befürchteten Effekt einer Schutzwirkung von Selen auf Tumorzellen nahe legen. Dagegen existieren zahlreiche Hinweise dafür, dass Tumorzellen anders auf Selen reagieren als gesunde Zellen und dass Tumorzellen durch Selen eher empfindlicher für die Standardtherapie werden, aber auf jeden Fall nicht geschützt werden. So wiesen Rodemann et al. nach, dass mit Selenitbehandelte Normalgewebszellen bei Bestrahlung eine höhere Überlebensrate aufwiesen als Nichtbehandelte. In Tumorzellen war diese radioprotektive (strahlenschützende) Aktivität hingegen nicht nachweisbar. Ein anderer Versuchsansatz zeigte sogar, dass selenitbehandelte Tumorzellen empfindlicher auf Strahlung reagieren (Hehr et al. 1999). Dieses Phänomen konnte durch weitere Untersuchungen bestätigt werden. Insofern können wir der Empfehlung nicht folgen, Selen während Strahlentherapie nicht einzusetzen. |
Patienten fragen

