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"umstrittene Therapien"
Bei Therapieformen, die vereinzelt durch vereinfachte Heilsversprechungen umworben werden, ist grundsätzlich Vorsicht angebracht. Bevor Sie sich auf oftmals kostspielige Behandlungen einlassen, sollten Sie sich ausführlich bei einem unabhängigen Arzt beraten lassen. Denn eine Verbesserung der Heilungschancen bei Krebserkrankungen erfordert eine ganzheitsmedizinische Behandlung unter Berücksichtigung der individuellen Konstitution des Patienten.
Neue Medizin nach Dr. Hamer:
Dr. Hamer führt jede Krebserkrankung auf ein akutes persönliches Konflikterlebnis zurück. Daraus schließt er, die Lokalisation von bösartigen Tumoren und deren Verlauf werde durch den Konfliktinhalt bestimmt. Problematisch ist dabei die von Herrn Dr. Hamer gemachte Aussage, dass die Konfliktlösung die einzig wirksame Therapie sei und dass nur bei der Beseitigung sog. Konfliktherde das Tumorwachstum aufhöre. Sicherlich zu einfach und dogmatisch gedacht, auch wenn der Ansatz, dass Psyche und Körper zusammenwirken inzwischen hinreichend bekannt ist. Besonders problematisch ist die Aussage von Dr. Hamer einzuschätzen, dass er die Schulmedizin, aber auch alle naturheilmedizinischen Therapieverfahren bei der Behandlung von Krebskranken ablehnt und medizinisch notwendige Behandlungen womöglich unterbleiben. Auch eine psychotherapeutische Begleitung wird von Herrn Hamer ebenfalls nicht empfohlen, so dass der Hinweis, der grundlegende Konflikt müsse gelöst werden, dem betroffenen Patienten ohne eine professionelle Betreuung meist nicht viel Nutzen bringt.
Therapie nach Hulda Clark:
Für die US-Amerikanerin Hulda Clark ist ein bestimmter Darmegel der Verursacher sämtlicher Krebsarten. Mithilfe eines Gerätes namens "Zapper" soll dieser Egel aus dem Versteck in den Darmzotten gelockt und dann durch die Gabe einer Kräutermischung eliminiert werden. Der wissenschaftliche Beleg für die Wirksamkeit bei Krebserkrankungen ist bisher nicht erbracht worden. Außerdem wird bei der Übertragbarkeit dieser Therapie auf den europäischen Raum leichtfertig übersehen, dass dieser Darmegel ausschließlich in Asien und Nordamerika nicht aber in Europa und anderen Teilen der Welt auftritt! Es erscheint insbesondere zweifelhaft, ob man wirklich den Egel "Fasciolopsis buscii" als universellen Krebserreger bezeichnen kann, da an der Entstehung einer Krebserkrankung immer verschiedene Faktoren beteiligt sind.
Ukrain®
ist ein halbsynthetisches Misch-Präparat aus Alkaloiden des Schöllkrauts und dem Chemotherapeutikum Thiotepa. Es soll Krebszellen dazu veranlassen, sich selbst zu zerstören. Größere Behandlungsstudien liegen nicht vor. Einige Studien mit kleinen Patientenzahlen (jeweils 8 bis 36 Patienten mit verschiedenen Tumorleiden) wurden in Ostblockstaaten durchgeführt, die (angeblich) nicht dem westlichen Standard entsprechen. Im Jahr 1999 bis 2001 wurde an der Universität Ulm (Prof. Beger) eine Studie mit UKRAIN an 90 Personen mit Pankreas-Ca. durchgeführt, deren Ergebnisse jedoch angezweifelt werden. Die Behandlung läuft als Injektionsbehandlung über ungefähr sechs Monate und kostet monatlich ca. 1000 € bei direktem Bezug vom Hersteller.
Galavit®
ist ein russischer Immunmodulator, der in der Raumfahrt entwickelt wurde, um Kosmonauten vor Erkrankungen des Immunsystems auf Grund hoher Strahlenbelastungen im Weltraum zu schützen. Es ist nur in Russland als Mittel bei verschiedensten akuten und chronischen Infektionen zugelassen, nicht aber als Anti-Krebsmittel! Für die in Illustrierten verbreiteten Informationen, dass ein Wachstum von Tumoren gestoppt werden könne und die Lebenszeit durch die Anwendung dieses Mittels verlängert würde, ließen sich bislang keine Belege finden. Eine Behandlung dauert knapp einen Monat, wobei anfangs täglich, ab der zweiten Woche nur noch alle zwei Tage eine Ampulle Galavit in die Muskeln gespritzt wird. Die Kosten belaufen sich in Deutschland auf bis zu 10000 € – ein Preis, der für eine fragwürdige Therapie dieser Art zu hoch erscheint. Das gilt um so mehr, als in Russland dieselbe Menge des Mittels nur ein paar hundert Euro kostet. Die derzeitige Anwendung in Deutschland gilt als rein profitorientiert, was um so mehr gilt, als keine gesicherten Aussagen über die Wirksamkeit des Mittels vorliegen.
Vitamin B17
Vitamin B17 auch Laetrile oder Amygdalin genannt, kommt vor allem in Aprikosenkernen, Bittermandeln und in geringerer Menge auch in Apfelkernen vor. Es enthält eine inaktive Blausäureform, die gesunden Zellen nicht schaden, dafür aber eine giftige Wirkung auf Krebszellen haben soll. Zur Anwendung bei Krebserkrankungen ist zu sagen, dass die Studienlage als unzureichend einzuschätzen ist. Die einzigen veröffentlichten klinischen Dokumentationen des Nationalen Krebsinstitutes der USA (NCI) und eine Chochrane-Analyse 2006 konnten keinen Benefit zeigen. Die positiven Aussagen über die Wirksamkeit bei Krebserkrankungen beruhen daher allein auf Erfahrungsberichten. Außerdem gibt es über die potentielle Giftigkeit (Vitamin B17 kann zum Teil in Blausäure umgewandelt werden) wenige konkrete Angaben. Erfahrungen von Betroffenen und tierexperimentelle Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass selbst bei hohen Dosierungen von 2-3 g täglich keine toxischen Nebenwirkungen auftreten.
Fazit: Diese Therapieform kann nur ein Teilaspekt einer komplementären Krebsbehandlung sein. So setzen erfahrene Therapeuten die Therapie mit Vitamin B17 immer in Kombination mit anderen biologischen Therapiemethoden ein.




